Aero-Fitting

Viele Triathleten sind bereit, relativ viel Geld in eine tolle Zeitfahrmaschine zu investieren. Mit der Zeit wird auch jeder eine relativ bequeme und gut fahrbare Sitzposition finden. Aber ist diese auch schnell? Zum einen wollen wir möglichst aerodynamisch unterwegs sein, aber diese Position auch über die kompletten 180km halten können. Statt also noch mehr Geld in Ausrüstung und kleine Bauteile zu investieren, um ein paar Watt zu sparen, ist die richtige Einstellung des Bikes womöglich viel effektiver.

Letztes Jahr lernte ich im Trainingscamp auf Zypern Grischa Janorschke kennen, der früher als Radprofi unterwegs war. Gemeinsam mit seinem Radfreund Fritz Meingast bietet er Aero-Fitting an. Auf der Radrennbahn in Augsburg stehen beide regelmäßig mit ihrem Wissen, viel Erfahrung und Technik zur Verfügung, um die schnellste Position zu finden. Über eine solche Optimierung hatte ich schon mehrfach nachgedacht und so vereinbarten wir kurzerhand einen Termin. Leider kam uns der erste Corona-Lockdown dazwischen.
Also auf ein Neues im Herbst 2020. Wieder Termin vereinbart, verschiedenes Material besorgt, um möglichst viele Lenkerpositionen versuchen zu können, und auch weiteres Testmaterial (Laufräder) organisiert. Zwei Tage vor dem geplanten Test dann die nächste Absage. Zweiter Corona-Lockdown. Irgendwie sollte es nicht sein. Aber eigentlich auch nicht so dramatisch. Wettkämpfe standen eh erstmal nicht an und auch dieser Lockdown würde vorbeigehen.
Anfang Mai dann die die etwas überraschende Nachricht. Die Radbahn in Augsburg ist (unter Auflagen) geöffnet und wir können testen. Also ein dritter Anlauf. Oder führt das dann geradewegs in den nächsten Lockdown? Spaß beiseite. Natürlich wird diese Gelegenheit ergriffen. Viel Vorlauf gab es nicht, aber es gelang mir erneut, entsprechendes Material zu besorgen. So stellte mir D-Cycles verschiedene Extensions zur Verfügung und von Kyzr erhielt ich einen RC68 Pro Laufradsatz, der im Shop noch gar nicht erhältlich ist. Auf den Test dieser Räder freute ich mich besonders, weil ich bereits einen Kyzr-Laufradsatz ELITE SLR 38 fürs Training habe und von Qualität und Design begeistert bin. Weiteres Material wie Helme, Anzüge und natürlich auch Laufräder würden Grischa und Fritz mitbringen.

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Also ging es Sonntag früh nach Augsburg. Dort angekommen richtete ich erstmal meinen kleinen Bereich ein und bereitete mein Rad für eine erste Standortbestimmung vor. Dazu wurde es genau so hergerichtet wie ich es auch im Wettkampf fahren würde. Dann bekam ich erstmal eine kurze Einweisung in den Testablauf und das Bahnfahren. Die wenigsten sind ja bislang mal auf einer richtigen Radrennbahn unterwegs gewesen und wenn man das erste mal auf die Steilkurve zurollt hat man eher das Gefühl auf eine Wand zuzufahren. Immerhin steht in Augsburg die 200m Bahn, die bei den Olympischen Spielen in München im Einsatz war. Man wird also eher nicht sofort in der Aero-Position durch das Oval sausen. Also drehte ich erstmal ein paar Runden auf dem Basebar bevor ich mich an die Auflieger traute und mich ein wenig an die Kurven gewöhnte. Sehr schnell weicht die Ehrfurcht aber dem Vergnügen, ist es doch ein leichtes auf 40km/h zu beschleunigen und diese Geschwindigkeit auch konstant über eine längere Zeit zu halten. Nach 3-4km war die Bahngewöhnung dann erstmal erledigt, schließlich sollten noch reichlich Testläufe folgen und man will sich ja nicht sofort platt machen.
Schließlich wurde an meinem Rad ein Geschwindigkeits­messer installiert und es ging für die Standortbestimmung auf die Bahn. Bei jedem Testlauf gibt es zwei Einführungsrunden, um den Garmin zu starten und auf die erforderliche Geschwindigkeit zu beschleunigen. Dann folgen 10 möglichst konstante Runden, nur bei der Bestimmung der Ausgangsdatenlage werden 15 Runden gefahren. In der Folge wird der Garmin dann immer sofort ausgelesen und ausgewertet. Doch hier stimmte etwas nicht. Statt der gefahrenen ca 3,5km zeigte mein Garmin nur 800m. Der Geschwindigkeits­sensor ließ sich auch nicht mehr richtig aktivieren. Offensichtlich hatte er sich verabschiedet, denn auch ein Batteriewechsel brachte keinen Erfolg. Also wurde schnell ein neuer Sensor montiert. Bei einer kurzen Kalibrierungsrunde fiel auf, dass auch keine Leistungsdaten angezeigt wurden. Würde mein dritter Anlauf zum Aero-Fitting also doch wieder platzen? Wir versuchten wirklich alles. Entkoppeln und neu koppeln, verschiedene Garmin-Geräte, Handy-App. Nichts brachte Erfolg. Man konnte die Watt-Pedale zwar kalibrieren und es wurde auch die Trittfrequenz angezeigt, aber Leistungsdaten wurden nicht übertragen. So war ein Aero-Fitting nicht möglich. Meine Watt-Pedale hatten sich pünktlich zum Aero-Fitting verabschiedet, dabei hatten sie zwei Tage zuvor noch funktioniert.
Glücklicherweise war ein anderer Athlet mit seiner Aero-Optimiereung schon fast durch und bot mir sein Wattmesssystem an. Dafür war ich natürlich sehr dankbar! Trotzdem musste ich natürlich noch eine Weile warten. So war die Zeit doch schon ziemlich fortgeschritten als ich endlich meine Testreihen starten konnte.
Also 15 Runden Referenzwert ermitteln und dann wurde geschraubt. Extensions raus, Extensions wieder etwas zurück, S-Bend-Extensions raus, L-Bend-Extensions rein, Armpads eng zusammen…
Nach jedem einzelnen Umbau wurde der Garmin ausgelesen. Man erhält also sofort eine Rückmeldung, ob die Veränderung einen Erfolg brachte oder auch nicht. So fuhr ich in relativ kurzer Zeit noch einige Tests, doch hatten die technischen Probleme zu viel Zeit gekostet, um zu einem finalen Ergebnis zu kommen. Wichtig war jetzt aber noch, das extra organisierte Material zu testen. Also wurden meine Laufräder gegen die von Kyzr getauscht und ich schlüpfte auch nochmal in den neuen Aero-Suit von Castelli.

So konnte ich trotz der limitierten Zeit einige interessante Erkenntnisse gewinnen. Die detaillierte Auswertung und Analyse steht aber noch aus.
In jedem Fall werde ich aber bei Gelegenheit nochmal nach Augsburg fahren. Schließlich ist die Optimierung noch nicht abgeschlossen und noch genügend Verbesserungspotenzial gegeben.

Auch wenn es alles andere als rund lief, war es trotzdem ein toller Tag und das Bahnradfahren macht richtig Spaß! Ich freue mich schon auf Teil 2!

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