Tokyo Marathon 2017

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Die zweite Station unserer World Marathon Majors Tour sollte Tokyo werden. Die meisten Six-Star-Finisher schieben den Tokyo Marathon als letztes nach. Erstens weil er als letzer Lauf zu den Majors dazukam, zum anderen übt er offensichtlich auf die meisten Läufer wenig Reiz aus. Das aber völlig zu unrecht! So kam es aber, dass sich alleine in unserer Reisegruppe 26 Läufer befanden, die in Tokyo zu den Sixstarfinishern aufsteigen wollten. Wir hatten uns in diesem Jahr für Tokyo entschieden, da er mit Februar der frühste Lauf des Jahres ist und Sven danach noch genug Zeit blieb, um sich dann gezielt auf die Challenge Roth vorzubereiten. Die Vorgabe war somit auch klar: für Sven sollte es ein gaaanz langer Grundlagenlauf werden, was aber eh gut zu unserem Plan passte, die Majors wirklich gemeinsam zu laufen und zu erleben.

Zum Training ist daher auch gar nicht viel zu sagen. Steffi hatte ihr Iliotibialband nach dem New York Marathon wieder gut im Griff und absolvierte eigenständig und ohne Zwischenfälle ein gutes Marathontraining. Der relativ milde und niederschlagsarme Winter kam dabei natürlich sehr gelegen. Und für Sven stand der Trainingsfokus im Vorfeld bereits auf der Challenge Roth, so wurde das eigentliche Training lediglich mit ein paar längeren Läufen gespickt.

Gut vorbereitet reisten wir bereits am Dienstag an. Da der Marathon wie üblich am Morgen gestartet wird, wäre ein Jetlag bei einer Reise zum Tokyo Marathon im Gegensatz zu den Läufen in den USA äußerst ungünstig. Somit hatten wir ein paar Tage Zeit, um zu akklimatisieren. Natürlich machten wir auch etwas Sightseeing, aber natürlich nur sehr dezent denn zuviel Asphalt treten macht die Beine müde.

Bereits am Donnerstag besuchten wir kurz nach Eröffnung die Expo, um Startnummern abzuholen und uns nach Merchandising umzusehen. Hier wurde schnell der Unterschied zu anderen Sportmessen deutlich. Es war sehr laut und schrill und als wir beim offiziellen Tokyo Marathon Stand ankamen wurden wir enttäuscht. Vernünftige T-Shirts oder ähnliche Klassiker waren Fehlanzeige. Zu kaufen gab es Bademäntel, Backformen, Magnete, Schlüsselanhänger oder Fächer. Viele Besucher kauften aus Verzweiflung irgendetwas, nur um ein Andenken mitnehmen zu können. Glücklicherweise konnten wir wiederstehen, denn als wir weiterzogen und in die nächste Veranstaltungsebene kamen änderte sich das Bild. Hier befanden sich plötzlich die üblichen Verdächtigen. Jeder namenhafte Hersteller war hier vertreten und zu unserer Erleichterung gab es auch noch einen großen Merchandisingstand. Nun ist das mit dem Geschmack so eine Sache, aber wir fanden doch ausreichend Interessantes. Problematisch gestaltete sich aber auch die Verfügbarkeit mancher Größen. Nun sind Japaner nicht als Riesen bekannt, so dass kleine und normale Größen nach wenigen Stunden vergriffen waren. Wer nicht gerade Konfektionsgröße XL+ hat, hatte unter Umständen Probleme etwas zu finden. All das klingt etwas schlimmer als es war, nur wer gerne Andenken mitnehmen will muss halt früh dran sein. Ansonsten war die Expo durchaus ein Erlebnis!

 

Am Freitag stand ein Morgenlauf mit Irina Mikitenko, die unsere Reisegruppe begleitete, auf dem Programm. Es ging locker ein paar Kilometer zum Zielbereich vor dem Königspalast und wieder zurück. Hier bekamen wir auch einen Vorgeschmack von der gründlichen japanischen Organisationskultur. Beim Zielbereich war nämlich noch nichts von einem großen Marathonziel zu sehen, keine Aufbauten, keine blaue Linie, nichts. Japaner sind Organisationswunder und brauchen dann auch nur wenig Zeit, um alles herzurichten. Genau jenes durchaus beeindruckende Organiationstalent ist gleichzeitig aber auch ein riesen Problem: wir hatten uns zwar mit der gleichen Zeit angemeldet, bekamen aber unterschiedliche Startblöcke zugewiesen. Zunächst dachten wir an die allgemein übliche Lösung, dass wir einfach beide in den hinteren Startblock gehen würden, aber das wurde untersagt. Man erklärte uns, dass wir, wenn wir zusammen laufen wollen, in den allerletzten Block müssen. Das war für uns jedoch keine Option, da der Tokyo Marathon ein relativ langsames Läuferfeld hat. Wir schickten also unseren Reiseveranstalter in die Spur…

Für Samstag waren wir zum Friendship-Run angemeldet. Und den kann ich jedem Besucher des Tokyo Marathon nur wärmstens empfehlen! Es handelt sich nur um einen lockeren 4km Lauf ohne Zeitnahme, aber es ist ein riesen Spaß! Noch vor dem Start ist Volksfeststimmung. Fast jeder ist verkleidet (Super Mario lässt grüssen) oder trägt irgendwie seine Landesfarben zur Schau. Ein wahnsinnig tolles internationales Miteinander, alle machen gemeinsam Fotos und haben Spaß! Und genau dies setzt sich auch auf der Strecke fort und man kommt aus dem Abklatschen kaum heraus.

Den restlichen Tag schonten wir unsere Beine und schmiedeten Pläne für den nächsten Tag. Denn der Zutritt zum Startgebiet in Shinjuku ist auch durchgeplant. Jedem Läufer wurde ein Entrance Gate zugeordnet und nur durch dieses war nach vorausgegangener Sicherheitskontrolle ein Zutritt möglich. Natürlich hatten wir nicht das gleiche Gate, so dass wir, ohne den Vorstartbereich zu kennen, einen Treffpunkt vereinbaren mussten. Am Abend gab es noch gute Nachrichten. Unserem Reiseveranstalter war es gelungen, den Ausrichter davon zu überzeugen, dass wir gemeinsam in einen Startblock durften. Auch wenn die detaillierte Organisation häufig etwas umständlich erschien, so hatte sie in diesem Fall etwas Gutes. Am nächsten Tag war tatsächlich jeder Helfer über die kurzfristige Änderung bezüglich der Startblockregelung informiert!

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Am Renntag fuhren wir mit der U-Bahn zum Start. Es war wirklich stark organisiert. Zahlreiche Helfer zeigten einem den Weg, so dass jeder von uns sein zugewiesenes Entrance Gate fand und auch der vereinbarte Treffpunkt gut aufzufinden war. An den Dixi-Toiletten waren wir von der disziplinerten Schlangenführung beeindruckt, aber dadurch ging es tatsächlich ziemlich flott. Anschließend gaben wir unsere Kleiderbeutel ab und begaben uns auf den Weg in unseren Startblock. Zunächst war es noch ziemlich frisch, weshalb wir uns auch aufgrund der Erfahrungen der Vortage für lange Laufkleidung entschieden. Später mussten wir einsehen, dass kurz/kurz durchaus auch angebracht gewesen wäre. Aber es war auszuhalten und zumindest während des Wartens auf den Startschuss war es angenehm.

Kaum waren wir auf der Strecke, stellten wir fest, dass die vielen Hochhäuser doch noch mehr Einfluss auf den GPS Empfang hatten als zuvor vermutet. Daher setzten wir die Rundenzeiten alle 5km zurück und verließen uns nicht ausschließlich auf die Uhren. Die Stimmung unterwegs war toll. Viele Zuschauer säumten den Weg und wir passierten einige Sehenswürdigkeiten. Darüber hinaus hat der Tokyo Marathon noch einige ungewöhnliche aber sehr interessante und reizvolle Besonderheiten zu bieten. Zum einen sind die Japaner sehr sauber. Ist man in Tokyo unterwegs wird man häufig vergebens einen Mülleimer suchen. Dennoch liegt nirgends Müll auf den Straßen. Und genau so verhält es sich beim Marathon. Kein Läufer wirft an der Verpflegungsstation seinen Becher auf den Boden. Jeder wird einen der zahlreichen Mülleimer kurz hinter der Verpflegungsstelle aufsuchen oder den Becher einem der vielen Helfer mit Mülltüten reichen. Vor uns sind einige tausend Läufer durch aber über die gesamten 42km haben wir keine 5 Becher auf dem Boden finden können! Zum anderen ist auch die Streckenführung besonders. Man läuft quasi ein großes Kreuz durch Tokyo. Dabei geht es oftmals auf der einen Straßenseite mehrere Kilometer in eine Richtung und anschließend auf der anderen Seite wieder zurück. Das ist an sich erstmal Geschmackssache. Toll ist aber, dass wir dadurch die Möglichkeit bekamen, die Spitzengruppe auf der Strecke zu sehen. Bei anderen großen Stadtmarathons ist das kaum möglich. Für Läufer, die womöglich am Zielschluss knabbern ist zu erwähnen, dass man es in Tokyo damit sehr genau nimmt. Und nicht nur das. Es gibt unterwegs mehrere Punkte mit eigenen Cut-Off – Zeiten. Wer die einzelnen Stellen nicht rechtzeitig passiert wird freundlich aber bestimmt aus dem Rennen genommen. Außerdem sind die Cut-Off – Zeiten auch nicht gleichmäßig. Wer sehr konstant läuft sollte sich unbedingt die ersten Zeiten genau anschauen. Aber eigentlich sollten sie für jeden machbar sein. Ansonsten sind die Japaner schlichtweg begeistert. Die Zuschauer jubeln den Läufern lautstark zu und freuen sich über jeden der abklatscht. Einfach eine tolle Atmosphäre.

Im Ziel mussten wir dann noch ein Stückchen bis zu unserem Gepäck gehen und wurden dabei von unzähligen Helfern geleitet. Gefühlt waren dort mehr Helfer als Läufer… Natürlich durften auch die obligatorischen Zielfotos nicht fehlen. Schließlich schlenderten wir noch kurz durch das „Zieldorf“ und probierten die typisch japanische Läuferversorgung, die unter anderem auch bereits auf der Strecke gereicht wurde: Tomaten und Kühlspray.

Nachdem wir den Zielbereich verlassen hatten, gingen wir gemächlich die ca 2,5km zurück zum Hotel – nicht ohne noch kurz bei der kleinen Godzilla Statue einen Fotostop einzulegen!

Sportlich war der Tokyo Marathon ein Erfolg. Steffi lief mit 4:23:16 eine neue perönliche Bestzeit, auch wenn diese dann nur bis zum Berlin Marathon gehalten hat. Daneben war aber auch das Event Tokyo Marathon ein wahnsinnig tolles Erlebnis. Eine schöne und perfekt organisierte Veranstaltung, die sich dabei ganz anders präsentiert als Berlin und New York. Allerdings wollen wir hier kein Ranking aufstellen, denn jeder Lauf hat seine eigenen Highlights. In jedem Fall ist der Tokyo Marathon eine Reise wert!

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