Berlin Marathon 2017

Die Vorbereitung

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Nach der Challenge Roth brauchte ich erstmal Pause. Somit begann mein Marathontraining dieses Jahr erst Anfang August. Der Plan sah eine verkürzte Vorbereitung von 6 Wochen + 1 Woche Tapering vor.

Auftakt bildete am 5. August der Sommernachtslauf in Bellheim, ein 25km Lauf. Diesen bin ich recht verhalten angegangen, habe aber gegen Ende bis zur Ausbelastung beschleunigt. Das ganze war ziemlich hart, hat aber auch für eine Bestzeit (1:57:40) gereicht. Danach begann das eigentliche Marathontraining. Michael plante zwar auch weiterhin ein paar Rad- und Schwimmeinheiten zum Ausgleich, aber der Schwerpunkt lag natürlich beim Laufen mit ergänzendem Krafttraining. Insgesamt habe ich 4 lange Läufe von 25km oder mehr gemacht. Bei allen wurde gegen Ende das Tempo gesteigert. Zudem musste Tempotraining her. Das habe ich dann viermal auch auf der Bahn absolviert. Zum einen kann man dort das Tempo sehr gut kontrollieren und zum anderen bringt es Abwechslung und damit auch Spaß. Gerade diese Einheiten waren sehr hart und haben damit hoffentlich auch einiges bewirkt. Daneben gab es natürlich noch zahlreiche kürzere Grundlagenläufe oder kleinere Tempoeinheiten, teilweise auch zwei Einheiten an einem Tag. Im August bin ich damit auf 17 Läufe und insgesamt 238 km gekommen, im September auf 12 Läufe und 182 km.

Insgesamt lief das Training sehr gut, so dass ich mich gut vorbereitet fühlte. Ich bin davon ausgegangen, locker Bestzeit zu laufen (bislang 3:41:13). Der Raceplan sah vor, möglichst sogar unter 3:10:00 zu laufen. Das ist zwar deutlich schneller als bislang, aber bei dieser Vorbereitung vielleicht sogar möglich. Versuchen muss man es! Das Schöne wäre, dass man sich mit sub 3:15:00 definitiv für Chicago und mit sub 3:10:00 eventuell auch für Boston qualifiziert…

Steffi startete sogar noch später ins spezifische Marathontraining, weil sie Mitte August erstmal noch eine Olympische Distanz absolvierte. In der verkürzten Zeit gab es natürlich Tempotraining und besonders für ihren Kopf wichtig: zwei 30km+ Läufe. Somit kam sie im Juli auf 88km, im August auf 120km und im September vor dem Marathon auf 175km. Aufgrund des umfangreichen Triathlontrainings war dieses kurze Training aber ausreichend und kam besonders ihrem Knie zugute. Zielzeit für Berlin: 4:19:59 (wenn es gut läuft vielleicht sogar 4:18:00)

 

Das Marathonwochenende

Am Freitag reisten wir nach Berlin und gingen gleich auf die Marathonmesse „Berlin Vital“. Dort holten wir unsere Startnummern ab und schlenderten über die Messe. Bei dieser Gelegenheit trafen wir auch ein paar Freunde und Bekannte, die wir bei früheren Laufveranstaltungen kennengelernt hatten. Natürlich durfte auch eine kleine Shoppingeinlage am Merchandisingstand nicht fehlen.

Der Samstag wurde dann etwas ruhiger. Schließlich sollen die Beine für den großen Lauf am nächsten Tag frisch sein. Dennoch besuchten wir nochmal kurz die Messe, um Freunde zu treffen. Anschließend fuhren wir zum Brandenburger Tor, um bei einer Besichtigung des Start- und Zielgebietes die Vorfreude auf den nächsten Tag zu schüren. Am Nachmittag findet hier auch der Inliner Marathon statt. Ebenfalls eine schöne Veranstaltung auf nahezu dem gleichen Kurs, den auch die Läufer nehmen. Wer das volle Programm möchte kann gerne auch einen Doppelstart machen.

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24.09. Raceday

Der Start der Läufer war für 9:15 Uhr angesetzt. Insgesamt gab es 3 Startwellen, um das Läuferfeld von ca 43.000 Läufern zu entzerren. Ich durfte in Block E als letzter der ersten Welle starten, während Steffis Start erst für 10:00 Uhr mit der dritten Welle erfolgte.

Wir fanden uns also um 8:00 Uhr im Vorstartbereich ein. Selbst bei dem bescheidenen diesigen Wetter mit 99% Luftfeuchtigkeit war die Stimmung unter den Läufern toll. Auf der einen Seite Anspannung wegen der anstehenden Herausforderung, die vermutlich irgendwann auch mit Schmerzen verbunden sein wird, auf der anderen Seite die Vorfreude auf die Stimmung in der Startaufstellung, an der Strecke und natürlich den Zieleinlauf. Wir zogen uns also um und gaben den Kleiderbeutel ab. Gegen 8:30 Uhr machten wir uns auf den Weg in die Startblöcke.

Noch vor den Läufern wurden die Rollifahrer und Handbiker auf die Strecke geschickt. Dann wurde es allmählich ernst und es folgte die Vorstellung der Elite-Athleten. Für mich ist dies bereits der erste große Hotspot: wenn die Vorstartmusik gespielt wird und man mit über 40.000 Läufern dem Startschuss entgegenfiebert, so ist das die reinste Gänsehautatmosphäre!

Und dann ging es endlich auf die große Schleife durch die Hauptstadt. Ich durfte wie gesagt aus Block E starten, da meine Vorleistung nicht mehr hergab. Somit wurde ich anfänglich etwas ausgebremst und konnte nicht gleich meine 4:30er Pace laufen. Aber zum reinkommen ist das eigentlich nicht so schlimm. Nach wenigen Kilometern zog sich das Feld auseinander und ich konnte frei laufen. So fand ich gut zu meinem geplanten Tempo.

Unterwegs fiel mir leider auf, dass verhältnismäßig wenige Zuschauer an der Strecke standen, vermutlich wegen des feuchten Wetters. Mein Tempo hielt ich dennoch gut und ich nahm zufrieden meine 5km, 10km, 15km und 20km Durchgangszeiten zur Kenntnis. Auch bei 25km war noch alles ok, aber es fühlte sich schon recht schwierig an. Zu früh! Und so gab es hier einen kleinen Bruch. Bei 30km passte das Tempo dann auch nicht mehr. Danach erholte ich mich zwar wieder und konnte die letzten Kilometer sogar nochmals beschleunigen, aber die verlorene Zeit konnte ich natürlich nicht mehr rauslaufen. Am Ende standen 3:11:29 auf der Uhr. 90 Sekunden langsamer als geplant. Sehr schade! Dennoch Bestzeit um 30 Minuten korrigiert. Also alles gut.

Und Steffi? Für sie lief es ebenso gut. Anfangs kämpfte auch sie sich durch ein dichtes Feld, kam aber auch gut ins Rennen. So fand sie auch zwei „Pacemaker“, die sie unwissentlich bis zum Halbmarathon zogen. Dort gingen sie leider verloren, aber Steffi konnte konstant ihr Tempo halten. Das Ziel erreichte sie mit 4:16:39 deutlich unter den zunächst geplanten sub 4:20:00. Stark!

Und nicht nur deswegen war es für uns wieder ein super Erlebnis. Berlin ist ja schließlich nicht nur Startatmosphäre. Die anfangs noch vermissten Zuschauer waren ab ca km 32 da. Und an den berühmten Hotspots sowieso. Für mich persönlich sind ganz vorne Kottbusser Tor, Innsbrucker Platz, Wilder Eber, Ku’damm und Potsdamer Platz zu nennen. Dazu kommen dann die kleinen Highlights: ein super E-Gitarrist, der die Ghostbusters-Melodie spielte; ein Balkon auf dem die Party abging, der mit riesigen Boxen die gesamte Straße beschallte und die Bewohner tanzten; ein Biergarten in Zehlendorf, bei dem eine große Party stieg und Menschenmassen die Strecke säumten; ein Mädchen, das einen Karton hochhält auf dem steht: „touch for superpower“ (nach ein paar Tausend Läufern sieht dieser Karton nicht mehr nach Superpower aus!).

Und all das wird dann noch einmal um ein Vielfaches übertroffen wenn man nach etwas mehr als 41km auf die schönste Zielgerade der Welt einbiegt! Menschenmassen zu beiden Seiten Unter den Linden, das Brandenburger Tor im Blick. Hier tut nichts mehr weh! Ab jetzt muss man genießen. Nach dem Erdinger Alkoholfrei Hotspot kommt man auf den Pariser Platz und durch das Brandenburger Tor. Dann sind es noch 200m. Rechts eine große Videoleinwand und Zuschauer, links eine große Tribüne und geradezu fliegt einem das Ziel entgegen!

Schließlich ist es geschafft und man bekommt seine wohlverdiente Medaille. Im Zielbereich wird man dann gut versorgt und macht es sich auf der Wiese vor dem Reichstag bequem. Hier kann man dann bei hoffentlich gutem Wetter die Erlebnisse Revue passieren lassen und sich mit „Leidensgenossen“ austauschen. Freude und Zufriedenheit überwiegen die Schmerzen und so wird der Stolz bleiben.

Kommen wir wieder? Definitiv! Der Berlin Marathon ist immer ein Erlebnis!

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