Schlauchwechsel für Anfänger

Dieses Jahr stand bei mir das Fahrradfahren im Vordergrund. Ich wollte mich in der zweiten Disziplin verbessern und so kamen in den Sommermonaten von Mai bis August über 2500km auf dem Rad zusammen.
Als Rennradfahrer muss man natürlich auch gewappnet sein für eventuelle Pannen. Deswegen musste ich auch das Schlauchwechseln regelmäßig üben. Wie ihr vielleicht wisst, hat sich das dann auch gleich beim ersten Triathlon der Saison ausgezahlt und ich konnte im Kraichgau trotz plattem Reifen auf der Radstrecke finishen.
Auch bei mir könnte der Wechsel durchaus noch flüssiger und schneller gehen. Wie ein Schlauchwechsel grundsätzlich funktioniert weiß ich aber inzwischen und auch ein paar hilfreiche Tips konnte ich dieses Jahr zusammentragen.
Da ich auf unseren Social Media Kanälen viele Fragen zum Schlauchwechsel erhalten habe und anscheinend viele Anfänger Probleme damit haben und sich auch nicht so recht trauen, sich das mal irgendwo richtig zeigen zu lassen, erklären wir euch in diesem Beitrag alles, was ihr zum Thema Schlauchwechsel wissen müsst.
Freilich gibt es zu dem Thema schon diverse Beschreibungen und Youtube Videos, aber ich kann dabei meist nicht wirklich erkennen, was der Profi da so locker aus dem Ärmel schüttelt. Deswegen wird hier vom Anfänger für Anfänger alles genau erklärt.

(Die Anleitung bezieht sich auf Renn- und Triathlonräder mit Felgenbremsen. Für andere Räder kann das eventuell auch so funktionieren, besonders beim Ausbau des Hinterrades gibt es aber wohl gravierende Unterschiede.)

 

Was muss ich mitnehmen?

Bild konnte nicht geladen werdenWas braucht man eigentlich, um eine Panne zu beheben?

Die wichtigsten Teile sind:

  • ein Ersatzschlauch (mit der richtigen Ventillänge)
  • zwei (Kunststoff-)Reifenheber
  • eine kleine Luftpumpe
  • eine CO2 Kartusche und einen Adapter
  • ein Paar Einweg-Gummihandschuhe

Alles andere könnt ihr daheim lassen. Dinge wie Multitools sind zwar hübsch anzusehen, aber nutzlos, wenn man sowieso keine Ahnung hat, was man damit reparieren könnte.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Sachen zu verstauen. Bei den meisten Rennrädern kann man gut eine kleine Tasche hinten unter dem Sattel befestigen. Bei Triathlonrädern ist es meist etwas kniffliger. Ich nutze an meinem Triathlonrad eine Toolbox, die man im Flaschenhalter (bei mir auch hinten am Sattel angebracht) verstauen kann. Es gibt dann auch große und kleine Toolboxen, je nachdem, ob man ein oder zwei Ersatzschläuche einpacken will.

Tip: Eine Sache zum Adapter für die CO2 Kartusche. Kauft nicht den erstbesten, sondern achtet darauf, dass der Adapter isoliert ist. Bei meinem ersten Versuch mit der CO2 Kartusche hatte ich einen schlechten Adapter und bin mit dem Finger daran festgefroren. Warum das passieren kann, erkläre ich später.

 

Wie baue ich die Räder aus?

Nun ist es passiert, ihr habt einen Platten.

Wenn es das Vorderrad ist, hattet ihr Glück im Unglück. Der Ausbau ist ein Kinderspiel.

Einfach den Schnellspanner aufdrehen, bei manchen Rädern muss noch die Vorderradbremse gelöst werden und dann kann man das Rad auch schon herausziehen. Bevor ihr das Rad herausnehmt, merkt euch bitte, auf welcher Seite der Schnellspanner ist. Dann könnt ihr beim Einbau später nicht durcheinanderkommen.

Wie macht man das aber beim Hinterrad?

Zunächst schaltet so, dass die Kette vorne und hinten auf dem kleinsten Zahnrad liegt.

Dann Schnellspanner und ggf. Bremse lösen. Wenn ihr das Fahrrad jetzt auf den Boden legt, seid vorsichtig bei rauhem Untergrund! Wir sind keine Profis und die wenigsten bekommen nach dem Training/Rennen ein neues Rad, wenn der Lack zerkratzt ist. Wenn man sich über die Panne ärgert, ist man oft etwas schludrig und denkt nicht an solche Sachen!

Ihr solltet jetzt die Gummihandschuhe anziehen. Beide!

Dann drückt ihr das Schaltwerk nach vorne und greift mit der zweiten Hand beherzt in die Kette! Diese ist nun locker genug, um sie vom Kettenblatt abzustreifen und das Rad herausziehen zu können.

Geübte halten das Fahrrad und bauen das Hinterrad im Stehen aus. Mir fehlt dabei aber immer irgendwie eine Hand. Deswegen lege ich das Fahrrad hin und komme so besser zurecht.

(Im Nachhinein wurde ich darauf hingewiesen, dass es noch besser und flüssiger  funktioniert, wenn man das Schaltwerk nach hinten drückt. Das habe ich selbst aber nicht hinbekommen. Sobald das geht, werde ich euch natürlich eine genaue Beschreibung und ein Video dazu nachreichen.)

 

Ausbau der Reifen

Tip: Etwas, was man beim Üben nicht mitbekommt… wenn ihr ein Trinksystem am Lenker habt, wird das natürlich auslaufen, sobald das Fahrrad auf der Seite liegt. Die Tatsache wurde mir erst beim Triathlon im Kraichgau klar. War dort zum Glück nicht ausschlaggebend, aber kann doch eine unschöne Überraschung sein. Jetzt nicht mehr, ihr wisst ja jetzt Bescheid!

 

Wie wird der Schlauch gewechselt?

Bild konnte nicht geladen werdenZuerst muss der Mantel runter. Wobei er nicht komplett runter muss, sondern nur soweit, dass wir an den kaputten Schlauch herankommen.

Wir drücken den Mantel zur Mitte der Felge. Die Felge hat im Querschnitt eine Mulde (siehe Foto) und indem wir den Mantel dort hinschieben, gewinnen wir mehr Spielraum.

Dann schieben wir erst einen, dann den zweiten Reifenheber unter den Rand des Mantels. Das wird einfacher, wenn man die Reifenheber zu beiden Seiten des Ventils ansetzt. (Der Tip wurde mir nach dem Dreh des Videos noch gegeben, deswegen ist es dort anders. Euch wollte ich das aber trotzdem nicht vorenthalten!)

Jetzt mit dem einen Reifenheber fixieren, mit dem anderen Reifenheber einmal um die Felge herum den Mantel von der Felge hebeln. Nun kommen wir an den Schlauch ran und können ihn herausziehen.

Vorsicht! Bei manchen Schläuchen ist das Ventil zusätzlich noch mit einer Mutter an der Felge fixiert. Die müssten wir dann natürlich vor dem Herausziehen lösen.

 

Wie baue ich das jetzt wieder zusammen?

Den neuen Schlauch ganz leicht mit der Luftpumpe aufpumpen. Das hilft uns zum einen, den Schlauch besser auf die Felge legen zu können, zum anderen reicht uns später nur eine Kartusche um den Schlauch voll zu machen.

Ventil durch die Felge schieben, dann wird der Schlauch auf die Felge gelegt und unter den Mantel geschoben. Dann den Mantel wieder auf die Felge ziehen. Das funktioniert eigentlich am Besten einfach nur mit den Händen.

Am Ende wird es etwas knifflig, denn der Mantel sitzt natürlich ziemlich stramm. Dann aber nicht aufgeben. Ihr arbeitet hier mit Gummi, das heißt ihr könnt das Material ziehen und drücken bis es an der richtigen Stelle sitzt. Macht euch dabei auch wieder die Mulde in der Felge zu Nutze und schiebt den Mantel zur Mitte, wenn es nicht gleich klappen will.

Es gibt dabei Felgen und Mäntel mit denen es einfacher funktioniert und manche, mit denen es schwieriger wird. Gebt nicht auf und übt diesen Schritt mit eurem eigenen Rad, damit es dann im Ernstfall funktioniert! Achtet auch darauf, dass ihr den Schlauch nicht einklemmt, wenn ihr den Mantel auf die Felge schiebt! Außerdem muss man natürlich sicherstellen, dass keine Scherben, Reißzwecken usw. im Mantel stecken, die den Platten womöglich verursacht haben.

Dass wir vorher aufgepasst haben, dass keine kleinen Steinchen oder Ähnliches am neuen Schlauch klebt, versteht sich ja von selbst.

 

Wie bediene ich eine CO2 Kartusche?

Um den Schlauch wieder voll zu machen benutzen wir die CO2 Kartusche. Schraubt zuerst die Kartusche auf den Adapter. Dann drücken wir den Adapter auf das Fahrradventil (manche Adapter werden auch dort aufgeschraubt). Wenn ihr auf den Adapter drückt, wird das Kohlendioxid in den Schlauch geschossen. Dazu sollte man wissen, dass die Gefahr der Vereisung droht!

Jetzt werdet ihr fragen „Wie bitte? Was soll da bei 30 Grad Außentemperatur vereisen?“
Wenn das Kohlendioxid aus der engen Kartusche herauskommt, dehnt es sich aus und es kommt zu einer starken Abkühlung. Wenn man dann die Kartusche ohne Isolierung festhält oder einen schlecht isolierten Adapter durchgehend drückt, kann man tatsächlich mit den Fingern dort festfrieren! Bei meinen ersten Versuchen mit einem sehr schlechten Adapter ist mir das so tatsächlich passiert. Im Sommer! Bei 30 Grad! Das war nicht angenehm, also passt bitte auf!
Am Besten ihr drückt den Adapter nicht einmal lange durch, bis die Kartusche leer ist, sondern macht das in mehreren Stößen. Eine Kartusche reicht normalerweise, damit man gut weiterfahren kann.

Danach das Ventil zuschrauben und ggf. die Kappe wieder drauf. Fertig!

In London mussten wir übrigens lernen, dass bei starkem Regen die CO2 Kartusche nicht mehr nutzbar ist. Das Wasser an der Kartusche bzw. im Adapter wird sofort zu Eis und nichts kommt mehr durch. Wenn man die Kartusche aber dann wieder mühsam vom Adapter löst, hat man immerhin eine prima Schneekanone!

 

Der Schlauchwechsel

Wie werden die Räder wieder eingebaut?

Beim Vorderrad sollte das eigentlich selbsterklärend sein. Das Rad wieder in die Gabel stecken, den Schnellspanner festdrehen und wenn nötig, die Bremse wieder schließen.

Beim Hinterrad ist es wieder etwas komplizierter. Denn hier kommt jetzt die Kette ins Spiel. Ihr müsst, wenn ihr das Rad wieder einsetzt, darauf achten, dass die Kette wieder um das kleinste Kettenblatt herumliegt – so war es ja auch vorher. Schaut auch, dass die Kette vorne nicht irgendwie zwischen die Blätter gerutscht ist. Wenn so Spannung drauf kommt, kann es sonst schwierig sein, die Kette dort wieder herauszubekommen.

Auch hier wieder… die Profis machen das während sie das Rad halten. Ich komme auch hier deutlich besser zurecht, wenn ich das Fahrrad hinlege.

 

Einbau der Räder

Na, hat alles geklappt? Nicht aufgeben! Übung macht den Meister!

Viel Spaß beim ausprobieren!

 

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Kamera: Sven

Text, Regie, Schnitt und unglaublich guter Schlauchwechsel: Steffi

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