Ironman 70.3 Kraichgau

03.06.2018

Unsere Vorbereitung auf den diesjährigen Ironman 70.3 Kraichgau begann im Dezember. Steffi setzte zwischenzeitlich wegen des London Marathons einen Laufschwerpunkt, musste dann aber wegen Übertrainings eine Zwangspause einlegen. Für mich lief die Vorbereitung nahezu perfekt, so dass es eine Enttäuschung gewesen wäre, hätte ich keine neue Bestzeit aufgestellt. Ich ging sogar noch weiter und hegte die Hoffnung, bei einem idealen Rennverlauf die 5-Stunden-Marke zu knacken.
Bereits am Freitag holten wir unsere Startunterlagen ab, um uns nicht später mit den Massen anstellen zu müssen.
Am Samstag suchten wir das Event Gelände nochmals auf und bekamen die Gelegenheit, einige der Profi-Athleten hautnah zu erleben, bevor wir zur Wettkampfbesprechung gingen. Nachdem wir die Räder eingecheckt hatten nahmen wir uns am Weiherer Hardtsee noch die Zeit, den IronKids zuzuschauen. Auch dies ist eine durchaus sehenswerte Veranstaltung. Bevor die interessanten Bundesliga-Wettkämpfe starteten machten wir uns jedoch auf den Heimweg. Schließlich sollte es am nächsten Tag früh und möglichst ausgeruht losgehen.
Am Sonntag fanden wir uns um 7:30 Uhr für die letzten Vorbereitungen in der Wechselzone ein.

 

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Sven: Als der Start näher rückte entschied ich mich, mich für den Rolling Start im Block 30-35min ganz hinten einzuordnen. Nach der im Vergleich zum Vorjahr verbesserten Schwimmform wollte ich mit einem guten Wasserschatten an die 35min heranschwimmen.
Um 9:34 Uhr ging es für mich auf die Strecke. Ich kam gut voran und hatte die ganze Zeit ein gutes Gefühl und auch einen ordentlichen Abdruck. Nur einen vernünftigen Wasserschatten konnte ich nicht für einen längeren Abschnitt erwischen. Dennoch zeigte sich anschließend, dass ich die Bojen ohne zu viel Weg und mit sehr konstanter Pace angeschwommen bin. Als ich aus dem Wasser kam und in die erste Wechselzone lief standen sehr erfreuliche 35:33 auf der Uhr.

Steffi: Während Sven schon auf der Schwimmstrecke unterwegs war, stand ich noch am Ufer des Hardtsees. Ich hatte mich in den Block mit 35-40 Minuten Zielzeit eingereiht, da sich meine Technik und Grundgeschwindigkeit zwar verbessert hatten, mir aber durch die Zwangspause die Trainingskilometer fehlten, um das Tempo über die ganze Distanz durchzuhalten.
Um 9:45 Uhr gings dann auch für mich los. Nach einem explosiven Start -wohl ein Überbleibsel meiner früheren Skikarriere- fand ich gut in meinen Rhythmus. Leider erwischte ich diesesmal keinen so tollen Wasserschatten wie im letzten Jahr, aber ich hatte immerhin genug Platz und fand auch eine recht gute Linie durch die Bojen. Am Ende kam ich mit einer Zeit von 37:41min aus dem Wasser, womit ich schonmal zufrieden sein konnte!

Sven: Mein Wechsel lief flüssig, bietet aber dennoch Optimierungsmöglichkeiten. Auf dem Rad musste ich dann feststellen, dass mein Fahrradcomputer ausgestiegen war und sich auch nicht mehr richten ließ. Natürlich hätte ich meine Uhr nutzen können, aber ich beschloss, mir lieber meine aktuelle Leistung anzeigen zu lassen. Schließlich hatte ich für den Radabschnitt Watt-Vorgaben, an die ich mich halten wollte. Die tatsächliche Geschwindigkeit war somit zweitrangig und ich bekam ja alle 5km meine Zwischenzeiten, die Rückschlüsse aufs Tempo zuließen.
Die ersten 12 flachen Kilometer kam ich gut ins Rollen und auch als das Profil welliger wurde hatte ich einen guten Tritt. Bei der Abfahrt nach Gochsheim profitierte ich von meinen guten Streckenkenntnissen und konnte mich so positionieren, dass ich mit viel Schwung in den kurzen aber knackigen Anstieg einfahren konnte. Wie jedes Jahr war hier auch diesmal wieder beste Stimmung, doch leider sprang mir die Kette vom kleinen Blatt wodurch ich erstmal andere Sorgen hatte, als die Atmosphäre zu genießen. Doch auch so bekam ich Tour de France Flair zu spüren, denn als ich aufgrund des steilen Anstiegs absteigen musste, um meine Kette zu richten, sprangen sofort Zuschauer herbei um zu helfen. Schnell hatte ich mein Missgeschick behoben und man schob mich netterweise am Berg an und half mir so schnell wieder aufs Rad…

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Steffi: Nach meinem Wechsel, der ruhig noch etwas flotter werden könnte, begab ich mich nun auch auf die 90 Kilometer lange Radstrecke durch den Kraichgau. Dabei war ich zunächst schneller unterwegs als geplant. Die ersten 10 Kilometer absolvierte ich mit einem Schnitt größer 30km/h. Als es dann zu den ersten Anstiegen kam, war es damit aber natürlich vorbei. 
So sehr mir das Bergauffahren auch Schwierigkeiten bereitet, so viel Spaß machen mir dann wiederum die Abfahrten. So ist mir diesmal besonders die Abfahrt am Schindelberg in Erinnerung, bei der ich auf meine Spitzengeschwindigkeit von 69km/h kam. Das Gefühl dabei war unbeschreiblich und ich hatte noch einige Zeit danach ein Grinsen im Gesicht.
Danach ging die Strecke immer auf und ab über die vielen Hügel. Dadurch kam es, dass ich eigentlich immer mit den selben Leuten unterwegs war. Bergauf fuhr die Meute nach und nach an mir vorbei und bergab sammelte ich dann alle wieder ein. Die Stimmung an der Strecke war großartig, man sah auch das ein oder andere bekannte Gesicht und es bestätigte sich, dass meine Radform im Vergleich zum letzten Jahr deutlich besser geworden war. Die Geschwindigkeit war deutlich höher und die Distanz an sich war inzwischen auch kein großes Ding mehr.

Sven: Im weiteren Verlauf der Radstrecke ereignete sich glücklicherweise nichts Außergewöhnliches mehr. Es lief insgesamt gut und ich bewegte mich meist im vorgegebenen Wattbereich. Besonders Spaß machten dann natürlich nochmal die letzten Kilometer vom Schindelberg zurück zur Wechselzone 2. Hier geht es größtenteils leicht bergab und man fliegt dem Wechsel geradezu entgegen!
Der zweite Wechsel verlief dann auch unspektakulär. Ich empfinde ihn eh als nicht sehr stressig, da man ja im Gegensatz zum ersten Wechsel quasi nur Schuhe tauscht.

Steffi: Während Sven schon auf der Laufstrecke unterwegs war, lief es bei mir auf dem Fahrrad noch wie geschmiert. Ich war bereits auf dem Rückweg zu Wechselzone 2 und fühlte mich immernoch sehr gut. Am Schindelberg passierte es dann. Kurz vor Ende des Anstiegs war mein Hinterrad auf einmal platt. Als ich es bemerkte, dachte ich erst, dass das nur ein Irrtum sein kann. Das kann doch nicht ausgerechnet mir passieren! Aber es war nunmal Realität. Ich konnte so nicht weiterfahren. 
So stand ich erstmal entsetzt und wie im Schockzustand vor meinem Fahrrad und wusste für einen Moment nicht, was ich tun sollte. Ich hatte den Schlauchwechsel geübt, jedoch nicht den Ausbau des Hinterrads. Das hatte ich mir nur zeigen lassen.
So machte ich auch einige kleine Fehler. Am Ende war das Rad aber ausgebaut, der Schlauch – auch mit Hilfe eines Zuschauers, der mir netterweise bei einigen Handgriffen half – gewechselt und aufgepumpt und das Rad wieder eingesetzt. Es konnte nach einer gefühlten Ewigkeit weiter gehen…
Es waren jetzt nur noch ca 10 Kilometer bis zum nächsten Wechsel. Davon der Großteil bergab. Ein Streckenabschnitt, der mir eigentlich sehr liegt.

Leider musste ich aber etwas vorsichtig sein. Ich hatte wohl zu wenig Luft in den Schlauch gepumpt, so dass der Reifen noch leicht platt war. Aber nochmal absteigen, den Adapter und die Kartusche auspacken und neu aufpumpen wollte ich nicht, da ich schon genug Zeit verloren hatte. Ich hoffte einfach, dass es die letzten Kilometer halten würde, fuhr langsamer um die Kurven und mied Unebenheiten in der Straße. Es funktionierte und ich erreichte endlich den zweiten Wechsel. Und das sogar noch innerhalb des ursprünglichen Zeitziels, das ich mir gesetzt hatte. Was wäre da noch drin gewesen?! Im Sport gibt es aber kein „hätte, wäre, wenn“ und so beeilte ich mich, nun auch auf die Laufstrecke zu kommen.

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Sven: Als ich auf die Laufstrecke kam warf ich zunächst einen Blick auf Uhr. Dieser verriet mir leider, dass ich bereits bei einer Gesamtzeit von 3:32 Std war und den abschließenden Halbmarathon somit unter 1:28 Std laufen müsste, um noch unter 5 Std zu bleiben. Ergo: keine Chance mein Wunschziel zu erreichen! Diese Erkenntnis zog mir mental ein wenig den Stecker.

Von der Wechselzone weg geht es im Kraichgau erstmal bergab, so dass der erste Kilometer hier immer deutlich zu schnell ausfällt. Dies war mir natürlich klar und somit konnte mich auch ein Angangstempo von 4:05 nicht so richtig aufrichten. In der Folge lagen meine Kilometerzeiten bei ca 4:35-4:40. Das war mir dann doch nicht recht und ich erinnerte mich daran, dass zwar kein sub5 Finish möglich war, aber ich konnte immernoch Bestzeit laufen! Und der Halbmarathon sollte doch zumindest unter 1:35 Std möglich sein. So kämpfte ich mich also aus meinem kleinen mentalen Tief und brachte die Pace wieder auf deutlich unter 4:30. Besonders auf der zweiten Hälfte ging es mir wieder richtig gut und ich erreichte nach 5:07:06 das Ziel. Die Laufzeit lag somit immerhin bei vernünftigen 1:34:30.
Auch wenn mein Wunschziel nicht erreicht wurde und sich ein wenig Enttäuschung breit machte, so sagte mir mein Kopf, dass ich zufrieden sein sollte, habe ich doch meine Bestzeit um ca 7min unterboten. Und nicht nur das, alle 3 Disziplinen konnte ich ein paar Minuten schneller absolvieren als im Vorjahr!

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Steffi: Ich hatte es also auch auf die Laufstrecke geschafft. Aber anstatt mich darüber zu freuen, ärgerte ich mich immernoch über die Zeit, die ich verloren hatte. Immerhin war ich so erstmal ein paar Kilometer beschäftigt.
Nach meinem Übertraining und der darauffolgenden Zwangspause bis Anfang Mai, hatte ich nicht besonders viele Laufeinheiten im Trainingsplan. Zum einen, weil die Radeinheiten erstmal wichtiger waren, zum anderen, weil durch die hohe  Belastung beim Laufen die Gefahr eines erneuten Übertrainings durch vermehrte Trainings höher gewesen wäre.
So wusste ich nicht genau, was beim Lauf diesmal überhaupt möglich war.
Deswegen ging ich ziemlich auf Sicherheit, machte mir keinen Druck wegen der Pace und versuchte in ein Wohlfühltempo zu kommen. Das gelang mir trotz der welligen Strecke recht gut. Vielleicht hätte ich -im Nachhinein gesehen- mehr Gas geben können.
Mein Highlight auf der Laufstrecke war diesmal etwas besonderes. Ich hatte vor dem Rennwochenende einen Zuschauerguide im Internet veröffentlicht und dabei angemerkt, dass an einer Stelle auf dem offenen Feld Unterstützung besonders hilfreich wäre, da dort selten Zuschauer sind und der fehlende Schatten die Sache auch nicht einfacher macht. Und genau dort waren sie dann! Meine „Fans“! Bewaffnet mit einer Boom Box, aus der laute Musik dröhnte.
Ich hab mich unglaublich darüber gefreut und bekam das Grinsen einige Zeit nicht mehr aus dem Gesicht. Was für eine tolle Aktion! Und auf einmal war ich kurz vor dem Ziel. Alle drei Bändchen auf den drei Runden eingesammelt und ich durfte auf den Zielteppich abbiegen.

Der Zieleinlauf war purer Genuss! Und auch nach Überqueren der Ziellinie war alles gut. Ein wenig außer Atem, aber ansonsten fühlte ich mich pudelwohl. Letztes Jahr war ich da doch sehr viel kaputter! Später erfuhr ich auch meine Zeit. Ich war eine Minute schneller als im Jahr zuvor… und das trotz des Platten!

 

Im Athlete Garden trafen wir uns wieder und ließen den Nachmittag mit befreundeten Athleten unterhaltsam ausklingen. Schließlich hat jeder nach 113km Schwimmen, Radfahren, Laufen etwas zu erzählen.

Hoffentlich auf ein Neues im nächsten Jahr!

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