Ein langer Tag im Sattel

301,73 km • 11:35:12 h • 26 km/h

In einem normalen Jahr hätten Sven und ich die letzten Wochen unsere Langdistanzen absolviert und wären jetzt in der wohlverdiente Saisonpause.
Es ist aber kein normales Jahr und um seine Saisonhighlights muss man sich selbst kümmern. Deswegen war für diese Woche dann unsere erste 300km Tour angesetzt.

Ursprünglich hatten wir an eine One-Way Strecke gedacht, da es leichter ist, in einer neuen Umgebung nicht die Lust zu verlieren, anstatt die letzten Kilometer auf nur allzu gut bekannten Wegen unterwegs zu sein. Logistisch stellte uns das aber vor zu große Herausforderungen, so dass es dann doch ein Rundkurs -allerdings mit lohnenswerten Zwischenzielen- wurde.

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Wir starteten um 6:20 Uhr morgens (geplant war 6 Uhr, aber naja… immer noch früh genug um inklusive Pausen im Hellen durchzukommen). Der Großteil der Tour war ganz easy und hat richtig Spaß gemacht. Zuerst ging es durch Karlsruhe Richtung Süden. Der Berufsverkehr kostete uns etwas Zeit, aber als wir die Stadt endlich hinter uns lassen konnten, ging es zügig meist auf Radwegen dahin.
Den ersten Stopp legten wir nach 95 Kilometern ein. Die Supermärkte aka Verpflegungsstellen hatten wir uns diesmal schon vor der Tour herausgesucht. Etwas, was wir aus unserer 200 Kilometer Tour im Mai gelernt hatten, wo der Weg zum nächsten Supermarkt manchmal dann doch unangenehm lang wurde.
Hier gab es ein zweites kleines Frühstück für uns. Etwas Hefegebäck und eine Cola. Die Wasserflaschen waren noch gut gefüllt.

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Außerdem steckte ich hier eine Powerbank an meinen Garmin Edge 1030. Wie ebenfalls bei der 200 Kilometer Tour gelernt, hält der Akku des Edge mit Routenführung und allen gewünschten Sensoren nur ca. 9 Stunden Fahrzeit durch. Bei 25 km/h, bei denen wir recht sicher waren, sie bis zum Schluss halten zu können, läge die reine Fahrzeit diesmal allerdings bei 12 Stunden. Der Akku wäre also auf keinen Fall ausreichend. Ich hatte dafür bei den letzten Ausfahrten eine Eigenkonstruktion getestet, bei der ich die Powerbank und das Ladekabel mit Gummis am Lenker befestigte. Nicht bequem zu fahren, aber es funktioniert. Die nächsten zwei Stunden war ich mit dem Aufbau unterwegs und der Edge am Ende wieder 100% geladen. (Es gibt auch einen Zusatzakku von Garmin, der sehr elegant unter der Aerohalterung am Edge befestigt werden kann. Sven nutzte diese Variante und es hat auch problemlos funktioniert. Bei meiner Halterung war das aber leider nicht möglich.)

Das nächste Etappenziel auf unserer Runde war der Europapark in Rust. Dort war keine Pause geplant, aber für den Kopf ist es äußerst hilfreich, sich Zwischenziele zu setzen. Der Europapark bei Kilometer 128 war dafür markant genug und eine schöne Abwechslung. Achterbahnen statt Baumalleen!

Bei Kilometer 140 legten wir den zweiten Verpflegungsstopp ein und die Powerbank wurde wieder eingepackt. Diesmal wurden die Flaschen mit Wasser nachgefüllt, Sven bekam eine Cola und ich eine Fanta. Zucker in kühler, flüssiger Form kann so gut tun!

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Dann ging es über die Grenze nach Frankreich und sehr bald auf den Radweg am Canal du Rhône au Rhin. Der führte uns schnurgerade nach Straßburg und war der beste Abschnitt unserer Tour. Hier bauten wir von Kilometer 150 bis 200 immer wieder Zwischensprints ein, um zügig Strecke zu machen. Wir hatten uns zur Motivation vorher Segmente auf Strava entlang des Kanals herausgesucht. Natürlich kann man diese bei der Gesamtfahrzeit nicht voll durchziehen, um sich die Beine nicht zu früh kaputt zu machen, aber es reichte, um das Tempo immer wieder etwas hochzuziehen und schnell vorwärts zu kommen.

So erreichten wir bald Straßburg. Kurz vorher war mir verpflegungstechnisch ein kleiner Fehler unterlaufen. Ich hatte Straßburg bei Kilometer 200 erwartet, es waren aber ca. 5-10 Kilometer mehr. Ich hatte länger kein Gel mehr zu mir genommen, da ich ja baldige Verpflegung erwartete… und da sich diese nochmal ca 20 Minuten nach hinten verschob, wurden die letzten Kilometer bis zur Pause in der Stadt etwas schwerfällig.
Dann gab es aber endlich den heißersehnten Flammkuchen und danach noch ein Nutellacrepe und schnell war alles wieder gut.

Die letzten gut 90 Kilometer sollten jetzt auch kein Problem mehr sein. Wir kamen auf recht leeren Straßen zunächst gut voran. Verdächtig leere Straßen!
Auf den letzten 60 Kilometern gab es dann einen Verpflegungsengpass und wir erfuhren auch, warum hier niemand auf den Straßen war. In Frankreich war Nationalfeiertag und daher die Supermärkte geschlossen und das hatten wir nicht bedacht. So mussten wir schließlich -leider etwas später als geplant, aber noch bevor ich richtig ungenießbar wurde- ein Restaurant aufsuchen, um mich mit Zucker zu versorgen und die Wasserflaschen wieder nachzufüllen.
Ab auf die letzten Kilometer!

Jetzt waren wir wieder auf unseren bekannten Trainingsstrecken am Rheinradweg unterwegs. Einerseits toll, weil die Strecke richtig gut zu fahren ist, andererseits etwas zäh, da man die Strecke ja in und auswendig kennt. Auch begannen jetzt alle möglichen Kleinigkeiten zu zwicken und zu stören und man wurde ungeduldig, endlich wieder daheim anzukommen. Ich vermute mal, dass das auf den letzten Kilometern einer langen Ausfahrt aber immer der Fall ist, ganz unabhängig von der tasächlichen Länge. Irgendwann war es dann auch geschafft und wir kamen nach dem langen Tag müde und ein bisschen stolz mit 301 Kilometern auf dem Edge wieder zu Hause an.

Fazit: Muss man nicht machen, kann man aber! Und irgendwie ist es ja schon ein kleines Bisschen cool, oder?

Hier der Link zur Route:
300K ✔️ Straßburg Flammkuchenessen extended

Übrigens… schon am nächsten Tag überlegten wir, ob eine 400er Tour vielleicht auch noch interessant für uns wäre. Die (diesmal one-way) Strecke steht auch schon fest. Mal sehen, wann wir den Plan in die Tat umsetzen können…

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