Svens „Road to Roth“

Challenge Roth, 09.07.2017

Bild konnte nicht geladen werden

3,8km Schwimmen, 180km Radfahren, 42,195km Laufen! Jede Disziplin für sich ist bereits fordernd aber alles am Stück zu absolvieren fand ich schon immer beeindruckend und faszinierend. Allerdings hätte ich es früher nie für möglich gehalten, mal selbst eine Langdistanz zu bestreiten. Für mich war immer klar: das machen nur Übermenschen. Mittlerweile weiß ich, dass dem nicht so ist. Doch bis dahin war es ein langer Weg…
Nachdem ich 2013 meine erste Halbdistanz ziemlich problemlos absolviert hatte, verschwendete ich erste wirre Gedanken an eine Langdistanz und diese reiften allmählich. Nach meiner zweiten Halbdistanz im Juni 2016 wurden diese Gedanken konkreter und Steffi redete mir zu, dass ich es tatsächlich versuchen sollte und so kam ich zu dem Entschluss, dass man es eines Tages einfach mal wagen muss. Wenn es nicht klappt ok, aber dann hat man es zumindest versucht. Und wenn es im Kopf erstmal soweit ist, dann muss man sich einfach anmelden, sonst wird es nie etwas. Denn solange man nicht angemeldet ist wird man auch nicht gescheit trainieren.
Also fuhren wir im Juli 2016 zur Challenge nach Roth. Natürlich nur als Zuschauer. Aber dieses Event ist auch für Zuschauer sensationell spektakulär. Und anstrengend. Schließlich haben wir das Rennen vom Schwimmstart an bis zum Zieleinlauf von Jan Frodeno mit seinem Fabelweltrekord, Daniela Ryfs Zieltanz und auch später bis zum Zielschluss bei der Finishline-Party begleitet. Und nachdem man diese Athmosphäre miterlebt hat gibt es keine Zweifel mehr an einem Start im Folgejahr. Das will man unbedingt auch mal als Athlet erleben!
Am nächsten Morgen stellten wir uns also sehr früh zu all den anderen Verrückten in die Schlange, um einen sicheren Startplatz für die Challenge Roth 2017 zu ergattern und nicht auf die Online-Registrierung angewiesen zu sein. Auch die Stunden in dieser Schlange sind ein nettes Erlebnis. Man lernt viele Gleichgesinnte kennen und tauscht sich über Erwartungen, Erfahrungen, Ängste und Sorgen hinsichtlich einer Langdistanz aus. Und gegen Mittag war es dann soweit: ich hielt meine Registrierungsbestätigung in den Händen. Noch 365 Tage…

In der Folge rückte der Start bei der Langdistanz erstmal wieder in den Hintergrund. Ich beschloss zwar, mir einen Trainer zu suchen, weil ich keine Idee hatte, wie alle drei Disziplinen in ausreichenden Umfängen plus Athletik-/Krafttraining und Regeneration in Einklang zu bringen wären. Aber zunächst trainierte ich alleine vor mich hin und nahm in den nächsten Monaten an ein paar Volksläufen und einer Olympischen Distanz teil. Im Spätsommer konzentrierte ich mich dann aufs Laufen und startete zusammen mit Steffi Anfang November beim New York Marathon. Anschließend waren dann erstmal 4 Wochen Pause und Urlaub angesagt.

Ab Dezember startete dann mit meinem Coach Michael Krell die Vorbereitung auf Roth.
Da ich ja gerade erst einen Marathon gelaufen war, dachte ich in einer guten läuferischen Verfassung zu sein, aber ein Lauftest zeigte, dass hier vor allem im Grundlagenbereich noch einiges getan werden musste. Und der Schwimmtest offenbarte wie erwartet, dass hier noch reichlich Luft nach oben war.
Also ging es im Dezember ans Grundlagentraining: Läufe in niedrigen Pulsbereichen und Schwimmen (immer mit Technikkomponenten gekoppelt). Radfahren wurde regelmäßig im Keller auf der Rolle eingeplant. Hier galt es dann: Fernseher an und Wintersport gucken, während auch hier Grundlagen geschaffen wurden und an der Technik gefeilt wurde. Ende Dezember erwischte mich eine schwere Erkältung. Aber zu diesem Zeitpunkt war das natürlich nicht sonderlich tragisch und eben genau für diese Situationen und die weitere Trainingsplanung hatte ich ja einen Trainer.

Nun ist es so, dass ein vernünftiges und strukturiertes Langdistanz­training sehr zeitintensiv ist und Familie, Freunde und andere Hobbys zu kurz kommen. In Sachen Familie konnte ich relativ entspannt sein, weil Steffi mich sehr gut unterstützte und auch selbst auf die Langdistanz zufieberte. Unsere Leidenschaft, das Reisen, war aber ein Problem, denn im Urlaub kann man nicht optimal trainieren. Damit Steffi aber nicht zu sehr unter meinem Training leiden musste, fanden wir gute Kompromisse. Unsere Urlaube planten wir so, dass sie in Abständen lagen, die eh Entlastungsphasen erforderten und zudem waren die Urlaube sportbetont. So nahmen wir in unseren Urlauben an Halbmarathons oder beispielsweise auch dem Tokyo Marathon teil. Ein Marathon in der Langdistanz­vorbereitung ist sicherlich nicht optimal, aber zum einen lief ich den Marathon mit Steffi zusammen, so dass es sich für mich um einen sehr sehr langen Grundlagenlauf handelte, und zum anderen war von Ende Februar bis Mitte Juli noch reichlich Zeit.

 

 

In den Wintermonaten lag der Schwerpunkt also auf Grundlagentraining. Radtraining fand meistens auf der Rolle statt, ab Februar aber bei gutem Wetter auch auf dem MTB. Es ging einfach darum, etwas Zeit im Sattel zu verbringen. Das selbständige Schwimmtraining wurde zusätzlich durch einen Technikschwimmkurs ergänzt.
Ab Ende März stiegen vor allem die Radumfänge an. Ich war viele Stunden mit dem Rennrad unterwegs. Unter anderem absolvierte ich auch einen Radtest, der recht zufriedenstellend ausfiel. Um etwas Abwechslung ins Spiel zu bringen und auch als Formtest lief ich dann Anfang April den Freiburg Halbmarathon und Ende April in Orlando beim Star Wars Run einen 10k und einen Halbmarathon. Interessanter Weise bei beiden Läufen deutliche Bestzeit. Ab April kam auch das Zeitfahrrad immer mehr zum Einsatz, da man sich halt langfristig an die Sitzposition und die Fahreigenschaften gewöhnen muss.
Anfang Mai baute ich noch einen kleinen Lauf, die Badische Meile ein, und beim Schwimmen ging es immer öfter ins Freiwasser. Zum einen muss man sich an die Bedingungen (kalt, dunkel, schwierig zu navigieren) gewöhnen, zum andern soll auch das Schwimmen mit Neo geübt werden. Hierzu wurden später auch fast alle Einheiten im Schwimmbad (Freibad) mit Neo durchgeführt.
Anfang Mai hatten wir auch Urlaub, aber diesmal blieben wir zu Hause. Wir hatten kurz über ein Trainingscamp nachgedacht, aber da mein Trainer gerade kein Trainingslager im Angebot hatte und ich nicht fremd trainieren wollte, entschieden wir uns für ein „Trainingslager daheim“. Der Vorteil: man spart sich die aufwendige Reise. Die Trainingsumfäge stiegen in dieser Zeit nochmals deutlich an. Teilweise umfasste mein Trainingsplan bis zu 23 Wochenstunden reine Belastungsdauer.

Im Juni gab es beim Ironman 70.3 Kraichgau einen weiteren Formtest. Und der verlief gut. Immerhin konnte ich meine Bestleistung um 20 Minuten verbessern. Danach war eigentlich nicht mehr viel Zeit. Weiterhin war ich viel auf dem Zeitfahrrad und mit Neo unterwegs. Zudem gab es noch einige lange Läufe und natürlich kürzere Koppelläufe. Ende Juni hatten wir nochmal ein paar Trainingstage am Attersee. Ein gelegentlicher Ortswechsel mit dann neuen Strecken wirkt durchaus motivierend.

Ca 10 Tage vor dem Renntag begann das Tapering und ich setzte mich gedanklich intensiv mit meinem Raceplan auseinander und verinnerlichte diesen.
Am Freitag ging es nach Roth: Startunterlagen abholen und alles für den Bike Check-In am Samstag vorbereiten.
Es war etwas seltsam, aber am Samstag Abend konnte ich super einschlafen, wodurch das Aufstehen um 3:45 Uhr auch kein Problem war. Gegen 5 Uhr waren wir beim Start und ich war überhaupt nicht nervös. Ich fühlte mich perfekt vorbeitet und wusste, dass mich höchstens ein technischer Defekt stoppen kann. So konnte ich die ganze Vorstartspannung und Gänsehautathmosphäre in vollen Zügen genießen.

Und mit dem Startschuss war ich dann beschäftigt:

Schwimmen: 1:21:07
Es lief ganz gut. Durch den Massenstart war es etwas unruhig und durch die lange Vorstartzeit bekam ich gegen Ende etwas Hunger.

Rad: 5:52:40
Gefühlt war ich die ganze Zeit nur am Essen. Bereits nach ca 30km wurden meine Beine etwas schwer, so dass ich etwas rausgenommen habe und lockerer weitergefahren bin. Dennoch habe ich meine Zielzeit von unter 6 Std locker erreicht.

Laufen: 3:44:06
Ein guter Lauf, wobei ich etwas aufpassen musste, meinen Magen nicht zu überfordern. Ungefähr zur Halbmarathonmarke hatte ich ein kleines Tief, aus dem ich aber schnell wieder raus kam.

Am Ende erreichte ich das Ziel nach 11:05:39. Zur Anmeldung hatte ich auf 12 Std gehofft, während des Trainings irgendwann auf 11:30 Std. Also war es ein voller Erfolg und die Emotionen sind eh unbeschreiblich, nicht nur beim Zieleinlauf, sondern auch an den zahlreichen Hotspots auf der Strecke (ganz vorne natürlich Solarer Berg und Greding).
Den würdigen Abschluss bildete die Finishline-Party. Kurz nach Mitternacht fiel ich dann hundemüde ins Bett…

Werde ich es wieder machen? Ja!!!
Und definitiv wieder mit Michael als Coach. Ein guter professioneller Trainingsplan ist in mehrerlei Hinsicht von enormem Vorteil! Er bringt Motivation, Struktur und Abwechslung und auch die richtige Dosierung. Man kann es sich nicht leisten, eine uneffektive Trainingseinheit zu absolvieren.

Und wahrscheinlich wieder in Roth. Diese Veranstaltung mit all den freiwilligen Helfern ist etwas ganz Besonderes!

One thought on “Svens „Road to Roth“”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.