New York City Halbmarathon

Im Rahmen unserer Marathon­vorbereitung und als erste Standortbestimmung im Jahr, bauen wir für gewöhnlich immer einen Halbmarathon im März oder April in unsere Rennplanung ein. Dieses Frühjahr hatten wir uns einen ganz besonderen rausgesucht: Den New York City Halbmarathon oder -wie er richtig heißt- den United NYC Halfmarathon!

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So ging es für uns also mal wieder in den Big Apple, wo wir am Donnerstag vor dem Rennwochenende abends in unserem Hotel direkt am Times Square ankamen. Wie beinahe immer bei unseren Laufreisen waren wir mit Interair Sportreisen unterwegs. So stand am Freitag in aller Frühe der obligatorische gemeinsame Morgenlauf auf dem Programm. Auf unserer lockeren sechs Kilometer Runde ging es durch den Central Park vorbei an den Strawberry Hills und immer wieder die Skyline im Blick.
Nach dem Lauf fand eine kurze Begrüßungsveranstaltung statt und danach gingen wir gemeinsam zur Halbmarathonexpo. Diese war für amerikanische Verhältnisse erstaunlich klein gehalten, aber dennoch ausreichend und unterhaltsam. Nach der Abholung der Startunterlagen mussten wir natürlich zuerst etwas Merchandising shoppen und besuchten dann die verschiedenen Stände der Sponsoren des Halbmarathons.
Danach gingen wir zurück ins Hotel. Sven war gesundheitlich etwas angeschlagen und um die Erkältung bis zum Rennsonntag möglichst komplett auszukurieren, setzten wir auf viel Ruhe und Erholung in den Tagen vor dem Lauf. (Was am Ende zum Glück auch gut funktioniert hat.) Am Abend machten wir trotzdem noch einen kleinen Spaziergang zu der erst an diesem Tag eröffneten „Hudson Vessel“, einer neuen Sehenswürdigkeit im Westen Manhattans. Nach einem kurzen Besuch der New York Highline und damit verbunden etwas Geocaching, gingen wir aber wieder zurück in unser Hotel und früh zu Bett.

Den Samstag verbrachten wir dann mit ein wenig Sightseeing. Wir schlenderten nochmal durch den Central Park und kamen dann zur 5th Avenue, wo gerade die berühmte St. Patricks Day Parade stattfand. Diese darf man sich aber nicht so bunt vorstellen wie etwa einen Karnevalsumzug. Es war eher eine Militärparade, bei der aber trotzdem Partystimmung aufkam, weil sehr viele Zuschauer an der Strecke standen und ihre irischen Wurzeln lautstark feierten.
Am späten Nachmittag kamen wir noch an der Magnolia Bakery vorbei. Perfekt fürs Carboloading! Mit ein paar Cupcakes im Gepäck ging es dann zurück ins Hotel, wo wir alles für den morgigen Lauf vorbereiteten. Den Abend ließen wir dann auch gemütlich und sehr früh ausklingen.

Am nächsten Morgen ging es nämlich schon sehr früh los! Um 5:30 Uhr stiegen wir in unseren Bus, der uns zum Start bringen sollte. Durch den doch schon stark zunehmenden Verkehr und etliche Straßensperrungen dauerte die Fahrt etwas länger als geplant, so dass sich Sven dann etwas sputen musste, um rechtzeitig den Kleiderbeutel abzugeben und sich in seinen Startblock einzureihen. Durch seine guten Vorleistungen wurde er nämlich in Wave 1 eingeordnet. Am Ende klappte aber alles problemlos und er war pünktlich bereit für den Start. Seine Erkältung war auch abgeklungen, nur eine Bestzeit würde wahrscheinlich diesmal nicht möglich sein. Macht aber nichts, da wir ja nach New York gekommen waren, um das Rennen und die Atmosphäre zu genießen und eine Bestzeit auf dem welligen Kurs sowieso schwierig geworden wäre.
Mit meiner Zielzeit um die zwei Stunden wäre ich eigentlich in Wave 2 richtig gewesen. Da aber mein schlechtes Ergebnis vom New York Marathon 2016, wo ich ja nicht besonders fit am Start stand, noch bei den New York Road Runners registriert war wurde ich in Wave 3 und dort auch noch ganz hinten eingereiht. So musste ich nach Svens Start um 7:30 Uhr noch vierzig Minuten warten, bis ich um 8:10 Uhr endlich auch an der Reihe war. Die Temperaturen waren in den letzten Tagen gefallen. Hatten wir am Freitag noch gut 15 Grad, waren es jetzt am Sonntagmorgen nur noch knapp über Null. (Wenn man in New York an einem Rennen teilnimmt, sollte man wissen, dass diese Temperatur­schwankungen hier normal sind. Von deutlichen Minusgraden bis zu frühlingshaften Temperaturen ist zu dieser Jahreszeit alles möglich. Beim Marathon im November übrigens auch.) Der Startbereich lag aber in einem schönen Park und auch die Sonne wurde immer stärker, so dass die Wartezeit nicht besonders unangenehm war. Außerdem hatte ich vorgesorgt und mir einen alten warmen Pulli mitgenommen, den man dann kurz vor dem Start in die Spendenboxen werfen kann. Dazu noch den Regenponcho von Interair und schon konnte ich gar nicht mehr frieren.
Bis zum Start der Wave 2 hatte ich auch noch nette Gesellschaft von Katharina, die auch in unserer Reisegruppe von Interair war. Eigentlich hätten wir auch gemeinsam laufen können, da wir einen ähnlichen Plan hatten -und unsere Ergebnisse am Ende übrigens auch weniger als eine Minute Zeitdifferenz hatten- aber sie durfte eben schon etwas früher auf die Strecke. Aber irgendwann war dann auch ich endlich an der Reihe und lief über die Startlinie.

Mein Plan für das Rennen war in einer Pace von 5:50 min/km loszulaufen und dann auf der zweiten Streckenhälfte etwas schneller zu werden. Wegen des welligen Profils hatte auch ich keine Bestzeit im Auge und zielte auf eine Zeit knapp über 2 Stunden. Diesen Plan verwarf ich allerdings schon auf den ersten Kilometern. Vom Start im Prospect Park ging es sofort recht wellig los. Da die Pace so kaum konstant werden konnte, lief ich also eher nach Gefühl. Und ich fühlte mich super!
Die ersten acht Kilometer liefen wir durch Brooklyn mit leider deutlich weniger Zuschauern als ich es erwartet hätte. Zum Marathon ist diese Veranstaltung in der Hinsicht wirklich kein Vergleich. Dann ging es über die Manhattan Bridge nach Manhattan. Der Anstieg über die Brücke war lang, machte mir aber erstaunlich wenig Probleme. Hat sich das ganze Tempotraining und die Hügelläufe im Winter doch gelohnt! Oben wurde man dann mit einem herrlichen Blick auf die Brooklyn Bridge und die Skyline von New York belohnt. Bergab zog ich das Tempo dann deutlich an und die 10 Kilometer Marke passierte ich in gut 55 Minuten. Das könnte heute richtig gut werden! Aber man durfte nicht vergessen, dass die letzten sechs Kilometer der Strecke noch die meisten Höhenmeter bieten würden. Erstmal ging es aber flach den East River entlang bis zum UN Gebäude. Auch hier noch sehr wenig Zuschauer, da daneben eine viel befahrene Straße und die Strecke schwer zu erreichen war. Ich hatte trotzdem Spaß! Ich fühlte mich immernoch topfit und ich liebe nunmal diese Stadt! Dort laufen zu können war einfach großartig!
An der Verpflegungsstation am UN-Gebäude nahm ich mein zweites und letztes Gel. Hier machte die Strecke einen Linksknick und führte weg vom Wasser bis zur 7th Avenue. Die meiste Zeit ging es nun leicht bergauf. Aber hier waren dann auch endlich die Zuschauer zur Stelle. Besonders am Times Square war die Stimmung dann unglaublich. Und von hier aus konnte man in der Ferne schon den Central Park erahnen, wo sich das Ziel befand. Man läuft aber nicht gerade von der 7th Avenue zum Ziel.

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Es gibt nochmal einen Rechtsknick, und die Strecke führt südlich am Park vorbei. Dort konnte ich auch die große Interair Fahne von der Fan Tour entdecken, wo auch Fotos gemacht wurden. Also machte ich Samantha lautstark auf mich aufmerksam. Dann hieß es nochmal Zähne zusammenbeißen. Ich war trotz der Anstiege immernoch super unterwegs und eine neue Bestzeit war so gut wie sicher. Jetzt kamen aber noch die vielen gemeinen Hügel im Central Park auf den letzten zwei Kilometern vor der Ziellinie. Es lief aber weiter gut und zum Ende hin versuchte ich sogar noch einen kurzen Zielsprint. In 1:57:13 überquerte ich die Ziellinie. Eine recht deutliche neue Bestleistung. Wie cool!

Im Zielbereich gabs dann natürlich zuerst die sehr schöne Medaille, dann die Möglichkeit, Fotos machen zu lassen und dann wurde man durch den Central Park bis zum Columbus Circle geschleust und bekam auf dem Weg noch eine Wärmefolie und einen Beutel mit Verpflegung. Überall standen freundliche Helfer, die die Finisher beglückwünschten und auch darauf achteten, dass niemand umkippt oder anderweitige Probleme bekommt. Top Organisation, aber das hatte ich eigentlich auch genau so erwartet.
Vom Columbus Circle wanderte ich dann westlich des Central Parks noch etwas nach Norden. Dort gab es zuerst die Kleiderbeutel und dahinter die sogenannte Family Reunion und auch unser abgemachter Treffpunkt mit Interair. Mit Sven hatte ich vorher abgesprochen, dass er entweder dort wartet oder aber -falls ihm doch zu kalt werden würde, da er ja einige Zeit vor mir angekommen war- einfach schon ins Hotel zurück geht. Erst konnte ich niemanden entdecken und war etwas enttäuscht, da ich meine tolle Zeit und meine vielen Eindrücke von der Strecke doch irgendjemandem mitteilen musste. Wäre ich doch besser weiter vorne gestartet…

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Aber dann konnte ich Achim von Interair entdecken und auch Sven und ein paar andere Mitreisende waren noch vor Ort. Über mein Ergebnis wussten auch schon alle Bescheid, da Achim mich übers Handy mitgetrackt hatte. So wurde ich freudig empfangen und es war im Zielbereich doch noch richtig schön! Auch Sven hatte ein gutes Rennen hinter sich. Zwar war er wie erwartet ein Stück von seiner Bestzeit entfernt, konnte mit 1:31:10h aber doch sehr zufrieden sein.
Für mich ist das Zusammentreffen hinter der Ziellinie ja immer der beste Teil an den Rennen, die über längere Distanzen gehen. Jeder ist glücklich, es geschafft zu haben und alle genießen diesen Moment so richtig. Wir unterhielten uns nett, machten ein paar Fotos und als mir dann doch langsam kühler wurde, machte ich mich mit Sven auf den Rückweg zu unserem Hotel am Times Square.

War der Bereich um den Central Park noch schön sonnig und dadurch relativ warm, so war der Rückweg durch die Häuserschluchten sehr schattig und wir waren ziemlich durchgefroren, als wir in unser Zimmer kamen. Also versorgten wir uns erstmal mit einer warme Dusche und machten es uns dann mit warmen Getränken und Kuchen aus dem hoteleigenen Starbucks im Zimmer gemütlich. Erst zur Abschiedsveranstaltung von Interair im nahegelegenen Irish Pub konnten wir uns dann wieder aufraffen. Aber so ein gemütlicher Nachmittag muss auch mal sein und den hatten wir uns ja auch verdient.
Im Irish Pub „O‘Lunneys“ gab es dann ein richtig gutes gemeinsames Abendessen. Achim erzählte noch einige Dinge zum Halbmarathon, wie Zahlen zu Teilnehmern und Finishern und andere interessante Daten, die „Ersttäter“ wurden nochmal ganz besonders beglückwünscht und es ergaben sich viele nette Gespräche, so dass der Abend wiedermal länger wurde als wir ursprünglich vorhatten. Das ist bei unseren Abschieds­veranstaltungen mit Interair aber regelmäßig der Fall, war also auch diesmal keine Überraschung. Irgendwann machten wir uns dann aber trotzdem auf den Heimweg.

Am nächsten Morgen war erstmal Ausschlafen angesagt. Unser Rückflug ging erst Dienstag Abend und so hatten wir noch beinahe zwei ganze Tage in der Stadt. Da wir nicht zum ersten mal in New York waren, hatten wir auch keinen Stress, jetzt jede Sehenswürdigkeit besuchen zu müssen, aber natürlich geht es ganz ohne Sightseeing auch nicht! So verbrachten wir den Tag im Süden Manhattens, an der Brooklyn Bridge und in den Brooklyn Heights, von wo aus man einen tollen Blick auf die Skyline von New York hatte. Zum Schluss fuhren wir dann noch mit der Staten Island Fähre, die man gratis benutzen darf, an der Freiheitsstatue vorbei nach Staten Island und wieder zurück.
Am Folgetag -unserem letzten Tag in New York- machten wir zunächst nochmal einen Morgenlauf im Central Park. Die Beine waren zwar noch etwas schwer, aber die Gelegenheit wollten wir uns trotzdem nicht entgehen lassen. Dann besuchten wir das Rockefeller Center. Vom ‚Top of the Rock‘ hat man den besten Blick über die Stadt und kann das Chrysler Building, das Empire State Building, das One World Trade Center und auf der anderen Seite den Central Park sehen. Danach holten wir uns einen New York Cheesecake bei der Magnolia Bakery und machten uns auf den Rückweg zum Hotel um unser Gepäck abzuholen. Dann ging es schon wieder zurück zum Flughafen und nach Hause.

Der Kurztrip nach New York mag zwar zunächst als zu viel Aufwand für einen Halbmarathon erscheinen, da man diese ja zur Genüge auch in der näheren Umgebung findet. Das Ganze hat aber so viel Spaß gemacht, war ein außergewöhnliches Erlebnis und bringt nach dem langen, teils unangenehmen Wintertraining damit auch so viel Motivation für das weitere Training, dass sich der Ausflug für uns auf jeden Fall gelohnt hat.

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