Ironman Texas

Ursprünglich wollte ich beim Ironman Australia starten. Aber leider wurde die Austragung auf Oktober verschoben. Also schaute ich mich nach einer Alternative um und wurde mit dem Ironman Texas fündig. Bilder vom Schwimmen und der Laufstrecke waren mir schon öfter aufgefallen und sahen durchaus verlockend aus.

Also Mitte April nach Texas. Leider bedeutet das wieder viel Wintertraining. Daher geht es im Januar wieder ins Trainingscamp zu Utz nach Fuerte.
Wie der Zufall es will werden auch zwei seiner Athletinnen (Jana und Johanna) im extrem starken Profifeld in Texas vertreten sein und bereiten sich ebenfalls auf Fuerte vor. Das bietet mir die Chance auf ein paar exklusive Insights speziell für das Rennen in Texas. Zudem bekomme ich von Utz noch ein paar Tips zum Hitzetraining, die sich später als sehr wertvoll herausstellen.
Meinem Coach Jan gelingt es schließlich auch, mich über den Winter zu bekommen. Ab Mitte Januar kann ich mein Training ohne Störung durchziehen.

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So geht es bestens Vorbereitet eine Woche vor dem Rennen nach The Woodlands/Texas.
Das Wetter in Texas ist zu dieser Jahreszeit sehr wechselhaft. Zwischen 15 Grad und Regen und 35 Grad mit Sonne oder hoher Luftfeuchtigkeit ist alles möglich. Bei unserer Ankunft ist es durchaus heiß und sehr drückend. Ich mache einen kleinen Lauf auf der Wettkampfstrecke und darf feststellen, dass mir die Bedingungen überhaupt nichts ausmachen. Die heimische Hitzeanpassung war wohl top! Danke Utz!
Während ich die letzten Tage vor dem Rennen mit meinen gewohnten Abläufen fülle, genießt Steffi die genialen amerikanischen Sporteinrichtungen und geht in den Athletic Club, um sich einen Pool mit den Pros zu teilen.

Die letzten zwei Wochen vor dem Rennen bin ich diesmal extrem nervös und angespannt. Ich kann mir nicht erklären warum, normalerweise kommt das erst mit der Registration auf. Vielleicht rührt es daher, dass ich wieder den Kona Slot anpeile und das Training quasi ideal lief. Mir ist dabei aber trotzdem klar, dass dennoch ein perfekter Tag und reichlich Glück dazugehören werden. So schlafe ich die letzte Nacht extrem schlecht. Zum Glück war das die Tage zuvor anders und da die letzte Nacht eh egal ist mache ich mir keinen Kopf als um 04:15 Uhr der Wecker klingelt.
Nach einem kleinen Frühstück fährt Steffi mich zur Wechselzone und ich bereite mein Rad vor. Zum Glück ist die Anspannung jetzt nicht mehr ganz so groß. Schnell ist alles gerichtet und wir fahren wieder zurück ins Hotel. Noch schnell ein paar letzte Vorbereitungen und wir machen uns auf den kurzen Weg zum Start.
Die Wassertemperatur ist bei 25 Grad, also kein Neo. Das war nach dem Testschwimmen am Vortag aber schon zu erwarten gewesen und schockt mich nicht. Also Swimskin an und ab in die Startaufstellung. Jetzt ist die Nervosität wieder da, aber das ist ja auch gut so. Steffi begleitet mich soweit es geht.

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Schließlich geht es endlich los. Zunächst komme ich eigentlich ganz gut rein, aber irgendwie ist das Schwimmen unruhig. Nicht dass ich gestresst wäre, aber entspannt ist anders. Bald wird es zäh und nach knapp zwei Dritteln merke ich gehörig meinen Rücken. Zum Glück geht es jetzt in den Kanal Richtung Swim Exit und man nimmt immer mehr Zuschauer war.
Endlich steige ich aus dem Wasser. Die Uhr zeigt über 1:30 Std. Da hat mein Gefühl also gepasst. Das war’s dann wohl mit dem Slot. Tja, Schwimmen im See ohne Neo ist für mich so ziemlich die ungünstigste Konstellation.

Nun ja. Hilft ja nichts. Der Tag ist noch lang und ich möchte sowohl auf dem Rad als auch beim Laufen besser performen als in Chattanooga. Und die anderen müssen das ganze Ding ja auch erstmal ins Ziel bringen.

Also ab aufs Rad. Tatsächlich der Abschnitt, auf den ich mich am wenigsten gefreut habe. Ein doppelter Out and Back Kurs auf dem Highway, nicht gerade spannend. Es ist zwar warm, aber bedeckt. Das gefällt mir. Bevor es aber auf den Highway geht ist noch eine kleine Schleife zu drehen und da kann Steffi mich zweimal anfeuern. Sie schickt mich mit: “Riskier was! Du hast nichts zu verlieren!“ auf den Weg. Ok. Da hat mein Eindruck nicht getäuscht. Mein Schwimmen war wohl auch im Vergleich zu den anderen ne Katastrophe.

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Wie gesagt. Ich möchte eine gute kombinierte Rad-Lauf-Leistung zeigen. Ein Bike Split sub5h wäre da ein Anfang. Meine Zielsetzung: konstant die gewünschten Werte treten, ohne mal durchzuhängen und erstmal nicht ans Laufen denken.
Das funktioniert ganz gut. Zum Glück hält sich der übliche Wind zurück, der es mental unter Umständen noch herausfordernder macht, denn diese Highway Strecke ist schon zäh genug. Hin und wieder ist die Straße nass. Offensichtlich sind einige starke Schauer über die Strecke gezogen. Ich bleibe zum Glück trocken. Zunächst. Denn ausgerechnet auf dem Stück vom Highway zurück zur Wechselzone, einem teilweise etwas verwinkelten Abschnitt, schüttet es. Die Straßen sind recht rutschig und ich muss in den Kurven ordentlich aufpassen. Ich sehe mein Ziel sub5 in Gefahr. Nochmal mit ordentlich Druck geht es in die Wechselzone. Und es reicht! Es sind zwar nur wenige Sekunden aber die 4 steht. Sehr schön! Ein Teilziel ist erreicht.

Jetzt also nur noch das Laufen. Und womöglich ist auch noch ein sub10 Finish drin. Dafür brauche ich aber einen Marathon unter 3:18. Mein vorher zurechtgelegter Plan sieht einen Marathon unter 3:20, womöglich sogar deutlich darunter, also 3:15, vielleicht auch sehr optimistische 3:10 vor. Das passt also zusammen. Jetzt müssen nur noch die Beine mitmachen.

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Beim Loslaufen fühlt sich eigentlich alles ganz gut an. Die ersten beiden Kilometer sind wie immer etwas zu schnell. Aber es ist noch im Rahmen und ich pendle mich schnell bei 4:30-4:35 ein. Ich bin verhalten optimistisch. Als es nach 2,5km beim Schwimmstart vorbeigeht wunder ich mich über den Laufstil eines Athleten vor mir. Es ist Lionel Sanders. Ich laufe relativ zügig an ihm vorbei. Eigentlich albern aber irgendwie fühlt sich das toll an. Er hat leider wohl echt einen harten Tag.
Die erste Runde laufe ich ziemlich konstant und die Laufstrecke hält was ich mir davon versprochen habe. Zurück am Kanal werden es immer mehr Zuschauer und schließlich erreiche ich das erste Mal den Hotspot schlechthin: Hippie Hollow! Die Stimmung ist gigantisch und die nächsten Kilometer ist meine Pace gleich wieder ein Stückchen schneller.
Gegen Ende der ersten Runde finde ich für ein paar Kilometer einen Mitläufer. Er erzählt, dass er gerade ums Podium kämpft. Stark. Für mich ist das leider kein Thema. Gemeinsam vergehen die nächsten Kilometer ganz gut.

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Nach 15km kommt aber ein kleiner Hammer und ich muss meinen Begleiter ziehen lassen. Plötzlich geht die Pace auf 4:40 bis 4:50. Damit bin ich dann wohl eher am oberen Rand meines Planes und auch ein sub10 Finish wird damit sehr eng. Zum Glück bleibt der komplette Einbruch aus.

Zu Beginn der zweiten Runde sehe ich weitere Profis, die mit Problemen Gehpausen einlegen oder kurz am Streckenrand stehen.
Es wird richtig hart und nach Halbmarathon steht nur noch 4:50+ auf der Uhr. Das ist zu früh! Ich rechne nach und sehe mein sub10 Finish schwinden.

Steffi schafft es, mich immer zweimal pro Runde zu sehen. Mehr ist auf der Strecke auch kaum möglich. Als es auf die letzte Schleife geht feuert sie mich nochmal an: 4:45 reicht für sub10! Ja, mag sein. Aber das packe ich wohl nicht mehr…
Leider bleibt die Pace eher bei knapp unter 5:00. Zurück bei Hippie Hollow hole ich mir nochmal einen letzten Push und es geht tatsächlich ein wenig schneller auf die letzten Kilometer. Meine Beine sind aber auch echt durch. Die letzten 4 Kilometer krampfen meine Beine immer mal wieder leicht an und ich versuche, bewusst locker zu laufen und Unebenheiten oder Stolperer zu vermeiden.

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Endlich biege ich Richtung Ziel ab. Ein kurzer Blick nach hinten ob mir jemand meinen Zieleinlauf ruinieren kann. Nein, alles gut. Aber kurz vor mir ist ein weiterer Athlet, der etwas langsamer unterwegs ist. Ich könnte also etwas rausnehmen oder noch vorbeiziehen, um ein schönes Foto vom Zieleinlauf zu bekommen. Ich entscheide mich für letzteres und ziehe nochmal an. Als es auf den Zielteppich geht finden meine Beine das gar nicht toll. Beide Beine krampfen gleichzeitig. Mit größter Konzentration kann ich ein Stolpern oder sogar Stürzen vor den Zuschauern im Zielkanal gerade noch vermeiden.
Nach 10:02:31 erreiche ich das Ziel. Sub10 deutlich gerissen, aber mit meiner kombinierten Rad-Laufleistung kann ich zufrieden sein. 4:59:34 auf dem Rad und dann einen 3:20:37 Marathon sind ok, auch wenn ich mir ein wenig mehr erhofft hatte. Trotzdem ist das meine bislang beste Rad-Lauf-Kombination. Mein ursprüngliches Ziel hatte ich ja bereits beim Schwimmen verpasst. Das bleibt also definitiv meine Problemdisziplin.

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Hinter dem Ziel treffe ich sofort Steffi. Gemeinsam gehen wir zur Athleten-Verpflegung. Das Wetter ist mittlerweile sehr ungemütlich. Bereits gegen Ende der Laufstreck kamen ein paar Schauer durch. Mir wird ziemlich kalt, so dass wir es in der After Race Area nicht lange aushalten.
Wir gehen zur Wechselzone und Steffi holt meine Sachen. Dann machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Hotel.

Da es abends recht kalt und regnerisch ist, gehen wir nicht zur Finishlineparty.
Auch wenn sich die Hoffnung auf einen Kona-Slot (deutlich) nicht erfüllt hat, so gibt es dennoch nichts zu bereuen. Der Ironman Texas hat echt Spaß gemacht! Die Event Location ist toll! Ok, Radfahren auf dem Highway ist wenig prickelnd, aber die Laufstrecke war um so schöner.
Mit einem tollen Erlebnis in der Gepäck starten wir in die zweite Urlaubshälfte.

 

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